Eigenhandel

Glossar

Führt eine Bank im eigenen Namen und auf eigene Rechnung einen Handel mit Finanzinstrumenten, wie Anleihen, Aktien, Devisen, Rohstoffe und Derivate durch, dann wird dieser Handel als Eigenhandel bezeichnet. Ein Eigenhandel erfolgt mit dem Ziel, die liquiden Mittel zu erhöhen und demzufolge auch den Gewinn.

Allgemeines

Kreditinstitute können Bankgeschäfte mit Nichtbanken und anderen Kreditinstituten (Interbankenhandel) betreiben. Beim Kundengeschäft liegt den Banken ein Auftrag vom Kunden (Nichtbank oder Bank) vor oder kann später erwartet werden. Beim Eigenhandel hingegen liegt kein Kundenauftrag vor und ist auch später nicht zu erwarten. Außerdem spielt das Motiv bei Eingehung des Geschäfts eine bedeutende Rolle, denn Eigenhandel wird nur betrieben, wenn kurzfristige Gewinnerwartungen erkannt und realisiert werden. Zu diesem Zweck werden Finanzinstrumente für den Wiederverkauf gehalten und/oder übernommen, um bestehende und/oder erwartete Unterschiede zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis oder andere Preis- oder Zinsschwankungen kurzfristig zu nutzen. Treten Banken auf den Märkten im eigenen Namen und für eigene Rechnung auf, tragen sie ein Marktrisiko, das Gewinnchancen beinhaltet, bei dem aber auch Verlustgefahren drohen können. Das Marktrisiko ist neben dem Kreditrisiko und dem Liquiditätsrisiko ein typisches bankbetriebliches Risiko.

Aufsichtsrecht

Die Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen werden bankenaufsichtsrechtlich im KWG danach unterschieden, in wessen Auftrag und für wessen Rechnung sie durchgeführt werden:

  • Handel im fremden Namen für fremde Rechnung (offene Stellvertretung): ist Abschlussvermittlung (§1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 2 KWG). Hierzu gehört die Finanzdienstleistung der Platzierung einer Emission in offener Stellvertretung.
  • Handel im eigenen Namen für fremde Rechnung (verdeckte Stellvertretung): ist Finanzkommissionsgeschäft (§1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 KWG). Hierzu gehört die kommissionsweise Anschaffung und Veräußerung von Finanzinstrumenten im Sinne des §1 Abs. 11 KWG als Bankgeschäft.
  • Handel im eigenen Namen für eigene Rechnung: §1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 4 KWG ist als Bankgeschäft ein Eigenhandel, sofern er als »Dienstleistung für andere« zu begreifen ist. Die »Dienstleistung für andere« zeichnet sich dadurch aus, dass der Eigenhändler in Reaktion auf einen Kundenauftrag oder in Antizipation eines solchen handelt, weil er den besseren Zugang zu dem Markt hat, auf dem er agiert, um sich für das Kundengeschäft einzudecken, die aus dem Kundengeschäft resultierende Position zu schließen oder dem Kunden überhaupt den Marktzugang zu verschaffen, der diesem ansonsten verschlossen bliebe. Hierzu gehören Banken, die über Festpreisgeschäfte dem Privatanleger überhaupt erst den Kauf von Wertpapieren ermöglichen sowie die Aufgabegeschäfte, mit denen der Börsenmakler temporäre Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage in weniger liquiden Werten ausgleicht. Fällt ein Handel in Finanzinstrumenten mangels Dienstleistungscharakters aus dem Tatbestand des Eigenhandels im Sinne des §1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 4 KWG heraus, ist er ohne weiteres dem Tatbestand des Eigengeschäfts (§1 Abs. 1a Satz 3 KWG) zuzuordnen.
  • Für das durch §1 Abs. 1a Satz 3 KWG als Eigenhandel fingierte Eigengeschäft liegen keine Kundenaufträge vor und werden später auch nicht eintreffen. Das Eigengeschäft (Nostrohandel) wird allein im eigenen Interesse und ohne Kundenauftrag verfolgt. Hierunter fallen alle Anschaffungen und Veräußerungen von Finanzinstrumenten für eigene Rechnung, die nicht als Dienstleistung erfasst werden. Ein Dienstleistungscharakter fehlt etwa, wenn die Geschäfte ohne einen entsprechenden Kundenauftrag erfolgen und auch sonst kein Handelsbezug für einen potenziellen Kunden zu erkennen ist. Alle auf Kundenaufträgen basierende, im fremden Namen ausgeführte Geschäfte sind niemals dem Eigenhandel zuzuordnen. Damit entspricht der aufsichtsrechtliche Begriff »Eigengeschäft« dem Eigenhandel im bankbetrieblichen Sinne.


Wertpapierrecht

Im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) wird der Eigenhandel wertpapierrechtlich anders definiert. Er ist hier stets »Dienstleistung für andere« (§2 Abs. 8 Nr. 2 Buchstabe c WpHG) oder als Eigengeschäft »keine Dienstleistung für andere« (§2 Abs. 8 Satz 6 WpHG). Eine Bank ist grundsätzlich nicht verpflichtet, ihren Kunden darüber aufzuklären, dass sie fremde Anlageprodukte im Wege des Eigengeschäfts oder des Eigenhandels zu einem über ihrem Einkaufspreis liegenden Preis veräußert. Wer häufig und regelmäßig auf organisierte und systematische Weise Eigenhandel außerhalb organisierter Märkte und multilateraler Handelssysteme betreibt und damit ein eigenes Marktrisiko übernimmt, gilt nach §2 Abs. 8 Nr. 2 Buchstabe b und §79 WpHG als systematischer Internalisierer. Er muss den Pflichten des Titel III der Verordnung (EU) Nr. 600/2014 nachkommen (etwa Vorhandelstransparenz). Diese Vorschriften für Internalisierer beruhen ursprünglich auf Art. 21 Verordnung (EG) Nr. 1287/2006 vom 10. August 2006.

Nach §31 DepotG sind die für Kommissionäre geltenden Bestimmungen der §§18 bis 30 DepotG auch im Falle des Selbsteintritts und Eigenhandels anzuwenden. Diese Gleichstellung von Selbsteintritt und Eigenhandel mit der Geschäftsbesorgungskommission soll den Bankkunden schützen. Der Selbsteintritt besteht darin, dass nach §400 Abs. 1 HGB der Kommissionär den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dadurch ausführen darf, dass er die Wertpapiere selbst als Käufer liefert oder als Verkäufer übernimmt.


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Älteste bekannte Version der Seite: 18.05.2009
Letzte Aktualisierung/ Revision der Seite: 25.03.2021

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