Lombardkredite

Sinnvoll oder Schuldenfalle?


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Ein Lombardkredit ist ein Darlehen, welches gegen die Abtretung oder Übereignung einer beweglichen Sache vergeben wird. Es handelt sich somit um einen besicherten Kredit. Wird ein Wertpapierdepot verpfändet, wird in den meisten Fällen das Geld für den Kauf neuer Wertpapiere eingesetzt. Doch ist das wirklich ratsam? Wann es Überhaupt sinnvoll ist und unter welchen Voraussetzungen, darauf möchten wir hier gern näher eingehen.

Unbesicherte Kredite sind manchmal die bessere Wahl

Kredite können von Sparkassen und Banken sowohl gegen eine Kreditsicherheit als auch komplett ohne eine solche vergeben werden. Bei den besicherten Darlehen lässt sich dazu noch unterscheiden, ob das Geld zur freien Verwendung genutzt werden darf oder ob es ausschließlich einem bestimmten Zweck dienen muss. Ausgewiesene Autokredite dürfen beispielsweise nur für den Kauf eines im Anschluss sicherungsübereigneten Kraftfahrzeugs eingesetzt werden.

Für Effektenkredite (wie sich die Verpfändung von Wertpapieren nennt) gilt diese Einschränkung jedoch nicht immer. So gibt es Kreditinstitute, die darauf bestehen, dass von dem Geld ausschließlich weitere Wertpapiere gekauft werden, andere Banken sind da nachgiebiger und erlauben die freie Verwendung des Darlehensbetrages. Ein weiteres Merkmal ist, dass normalerweise keine Tilgungsraten fällig werden. Es werden lediglich die Zinsen fällig, die Tilgung erfolgt am Ende der Laufzeit z. B. durch den Erlös aus dem Verkauf der Wertpapiere.

Durch Kreditsicherheiten haben Kreditgeber die Möglichkeit, das vergebene Geld zurückzubekommen, falls der Kreditnehmer die vereinbarten Raten nicht zahlt. In der Regel werden also Sachwerte wie Häuser, Autos, Maschinen oder Ähnliches verkauft und damit der Kredit getilgt. Auch für Wertpapierdepots gilt dieses Vorgehen.

Da allerdings immer die Möglichkeit besteht, dass der Verkaufserlös nicht dem tatsächlichen Wert entspricht, wird bei der Bewertung ein Sicherheitsabschlag vorgenommen. Für Immobilien liegt der Abschlag in der Regel bei 10% bis 20%, bei Wertpapieren kommt es stark auf die Preisschwankungen an. Stark volatile Papiere werden meist nur mit 50% ihres eigentlichen Wertes angesetzt, stabilere Werte dagegen mit bis zu 80%. Das bedeutet, dass ein Kredit, welcher durch einen Depotwert von 100.000,- Euro besichert ist, im schlechtesten Fall nur 50.000,- Euro beträgt.

Lassen sich Bank und Kunde auf die Hinterlegung einer Kreditsicherheit ein, bedeutet dies häufig für beide ziemliche Umstände. Will der Kunde z. B. Papiere aus seinem Depot verkaufen, um ggf. Verlusten durch Kursveränderungen entgegenzuwirken, muss das Einverständnis der Bank eingeholt werden. Diese sorgt dann dafür, dass für die geringere Sicherheit ein Ersatz gestellt wird. Gleiches gilt selbstverständlich für Immobilien- und Autokredite.

Für die Bank bedeutet es, den Wert der Sicherheit ständig im Auge zu haben und zu Überwachen. Sinkt der Depotwert, kann es nötig sein, Zusatzsicherheiten vom Darlehensnehmer zu fordern. Es liegt also trotz eines gültigen Kreditvertrages eine ständige Unsicherheit über dem Kreditnehmer.

Der Vorteil eines besicherten Darlehens ist der normalerweise wesentlich günstigere Zinssatz, der von den Banken gewährt wird. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Banken enorm. Während eine teurere Bank für eine Autofinanzierung Zinssätze von z. B. 5,5% anbietet, kann eine günstigere Bank sogar ohne Hinterlegung einer Sicherheit einen Zinssatz von 3,5% anbieten. Wer also ein Angebot einer Bank vorliegen hat, sollte unbedingt noch einmal vergleichen, ob sich ein unbesichertes Darlehen findet, welches zumindest zinstechnisch mithalten kann.

Wertpapiere auf Kredit - gute oder schlechte Idee?

Wer auf die Idee kommt, Wertpapiere - egal welcher Risikokategorie - mit einem Kredit zu bezahlen, dem sei gesagt: Es ist riskant. Sinken die Kurse und verlangt die Bank dann eine Zusatzsicherheit, kann es viel teurer werden als erwartet.

Die Reduzierung des Risikos ist also das A und O. Zum einen sollte der Kredit ohne die Verpfändung des Depots aufgenommen werden, sofern sich eine günstige Gelegenheit dafür bietet. Denn so kann der Anleger ganz allein entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für den Verkauf eingetreten ist, und muss nicht aus Furcht vor weiter fallenden Kursen und wegen Vorgaben der Bank zu einem unglücklichen Moment ggf. falsche Entscheidungen treffen. Bei der Höhe des Darlehens sollte vor allem beachtet werden, dass auch ein eventueller Totalverlust getragen werden könnte.

Angenommen, ein Anleger besitzt bereits einen Wertpapiersparvertrag über 300,- Euro pro Monat. Dieser könnte nun eine gute Gelegenheit beim Schopfe packen und z.B. ein Darlehen über 5 Jahre abschließen. Nimmt man den bisherigen Sparbetrag nun als Kreditrate, so ergibt sich immerhin ein Kreditbetrag um die 16.500,- Euro. Sollte sich der Depotwert nun negativ entwickeln, ist das zwar ärgerlich, aber die Zeit kann dennoch einfach abgewartet werden, ohne dass zwingend gehandelt werden muss. Selbst wenn die Papiere aus irgendeinem Grund ihren Wert völlig verlieren, können die Raten weiterbezahlt werden. Hier drohen also keine grundsätzlichen Gefahren für die Existenz.

Eine generelle Aussage für oder gegen einen Kredit zum Zwecke des Wertpapierkaufes kann also nicht getroffen werden. Wichtig ist immer, die gesamten Umstände zu betrachten sowie Nutzen und Risiko genauestens abzuwägen und das Risiko an sich unbedingt zu minimieren. Solange auch der Worst Case tragbar ist, sollte es kein Problem sein, den Wertpapierkauf zu finanzieren.

Älteste bekannte Version der Seite: 28.03.2019
Letzte Überarbeitung der Seite: 28.03.2019



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