Das SEPA Verfahren

Artikel

Was ist die SEPA?

Was ist die SEPA?

DIE SEPA ist zunächst einmal ein »einheitlicher europäischer Zahlungsverkehrsraum« (Single Euro Payments Area). Mit dem »Single Euro Payments Area - Framework« (»SEPA - Regelwerk«) wurde ein einheitliches Verfahren zur Durchführung von Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen geschaffen. Durch die Einführung des SEPA-Lastschriftverfahrens im Jahr 2009 wurde das SEPA-Verfahren vervollständigt.

Der Weg zur SEPA und zum SEPA-Standard

Schon im Jahr 2002 wurde ein für den europäischen Gedanken bedeutender Schritt hin zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum geschaffen: der Euro wurde als gemeinsames Zahlungsmittel etabliert. Noch fehlte für den Zahlungsverkehr aber ein einheitliches Instrument um Zahlungsströme in Europa schnell und vor allem kostengünstig abwickeln zu können. Mit der EU-Standardüberweisung wurde 2001 eine erste »europäische« Überweisung geschaffen, die aber zunächst auf Beträge bis 12.500,- Euro begrenzt war. Dieses Limit wurde zwar später auf 50.000,- Euro erhöht, doch gerade für Wirtschaftsunternehmen erwies sich die EU-Standardüberweisung durch diese Beschränkung als halbherzige Alternative zur üblichen Auslandsüberweisung. Für das vor allem in Deutschland und Österreich weit verbreitete Lastschriftverfahren existierte zu diesem Zeitpunkt noch keine grenzüberschreitende Lösung. Die europäischen Mitgliedsländer waren also gezwungen, ihre vorhandenen Zahlungsverkehrsstandards auf den Prüfstand zu stellen und ein einheitliches Zahlungsverfahren zu entwickeln. Mit der Einführung des SEPA-Standards für Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen liegt nun ein europaweit gültiger Standard für den europäischen Zahlungsverkehr vor.

Aktueller Stand zur SEPA

Mit der Entscheidung des Europaparlaments, ab dem 01.02.2014 die nationalen Verfahren durch die SEPA Zahlverfahren im Interbankenbereich vollständig abzulösen, existierte nun ein Fixdatum, ab dem der SEPA-Standard für den Zahlungsverkehr verbindlich vorgesehen war. Bis zu diesem Zeitpunkt blieben die bisher genutzten nationalen Verfahren weiterhin bestehen. Die Nutzung des SEPA-Verfahrens ist in allen SEPA-Ländern mit dem Euro als Landeswährung verbindlich. Alle übrigen Länder mussten bis spätestens 31.10.2016 das SEPA-Zahlverfahren ermöglichen.

SEPA - Zahlungsaufträge

Am 01.02.2014 löste die IBAN die vorher verbreitete Kombination aus Kontonummer und Bankleitzahl ab. Bei grenzüberschreitenden Zahlungsaufträgen war zunächst auch der Bank Identifier Code (BIC oder auch SWIFT/BIC) anzugeben. Die IBAN und der SWIFT/BIC finden sich (fast immer) im Kontoauszug sowie im Onlinebanking des jeweiligen Anbieters.

Die SEPA Basis-Lastschrift

Besonders in Deutschland gehörte das Lastschriftverfahren im Zahlungsverkehr zu einem der bedeutendsten und beliebtesten Instrumente. Mit ihm lassen sich fällige Rechnungsbeträge schnell und effizient einziehen. Des Weiteren können Einreicher von Lastschriften den Zeitpunkt der Zahlung selbst steuern und somit den Verwaltungsaufwand auf ein Minimum reduzieren. Der Kunde wiederum braucht sich um nichts zu kümmern und bezahlt seine Forderungen stets pünktlich.

Als ein einheitliches Zahlungsinstrument im gesamten EU/EWR-Wirtschaftsraum (inkl. Schweiz und Monaco) stellte die SEPA-Basislastschrift eine beachtliche Neu- bzw. Weiterentwicklung in Bezug auf europaweit standardisierte Zahlungsabläufe dar. Neben einer günstigen, schnellen und sicheren Abwicklung der Transaktion bietet die SEPA-Lastschrift auch eine einheitliche gesetzliche Basis, die für alle Beteiligten Rechtssicherheit bringt.

SEPA-Basislastschrift für Privatverbraucher

Das SEPA-Basislastschriftverfahren kommt immer dann zum Einsatz, wenn Privatpersonen als Zahlungspflichtige im Spiel sind. Die Basislastschrift ähnelt in ihren Abläufen der zuvor in Deutschland etablierten Lastschrift im Einzugsermächtigungsverfahren. Die SEPA-Basislastschrift kennt aber einige Besonderheiten, die sie deutlich vom vorherigen Einzugsermächtigungsverfahren unterscheidet:

  • Das SEPA-Mandat: Für den Einzug benötigt der Zahlungsempfänger ein SEPA-Lastschriftmandat. Dieses Mandat erlaubt dem Zahlungsempfänger, den fälligen Betrag vom Konto des Zahlungspflichtigen einzuziehen. Mit dem SEPA-Mandat wird aber, und das war damals neu, gleichzeitig auch die Bank des Zahlungspflichtigen beauftragt, die Einlösung der Lastschrift durchzuführen. Daher muss dass SEPA-Mandat auch immer zusammen mit der SEPA-Lastschrift an die Bank des Zahlungsempfängers weitergeleitet werden. Dies geschieht i.d.R. auf elektronischem Weg. Üblicherweise gilt das Lastschriftenmandat entweder genau einmal (»Einmallastschrift«) oder wiederkehren/ unbefristet. Sollte jedoch innerhalb von 36 Monaten nach dem letzten Einzug keine Folgelastschrift erfolgen, erlischt das Lastschriftenmandat und muss erneuert werden.
  • Einreichungsfristen bei Basislastschriften: Bei der Ausführung eines Lastschriftenauftrages (bzw. einer einmaligen Lastschrift) gilt eine Vorlauffrist von in der Regel einem Bankarbeitstag. Durch diesen Vorlauf ist es dem Zahlungspflichtigen möglich, schon vor Buchung auf dem Konto einer Lastschrift zu widersprechen.
  • Fristen für Rücklastschriften: Einer SEPA-Basislastschrift mit gültigem SEPA-Mandat kann innerhalb acht Wochen ab dem Fälligkeitstag widersprochen werden. Bei unautorisierten Lastschriften ohne SEPA-Mandat kann der Zahlungspflichtige eine Rückbuchung in einem Zeitraum von 13 Monaten veranlassen. Nach Ablauf dieser Fristen kann der Belastung nicht mehr widersprochen werden.
  • Verbraucherschutz und bessere Liquiditätsplanung: Die Einführung eines Fälligkeitsdatums bei SEPA-Basislastschriften ermöglichte eine verbesserte Liquiditätsplanung beim Zahlungspflichtigen. Dies ist besonders bei wiederkehrenden Lastschriften von Vorteil. Somit weiss der Zahlungspflichtige genau, an welchem Tag das Konto belastet wird.


Wesentliche Merkmale einer SEPA-Firmenlastschrift

Die SEPA-Firmenlastschrift richtet sich nur an Zahlungspflichtige, die keine Verbraucher sind. Das heißt, dass sie ausschließlich zum Einzug von fälligen Forderungen zwischen zwei Unternehmen dient. Mit dem SEPA-Lastschriftverfahren kann der Zahlungsempfänger eine Belastung des Zahlungspflichtigen in Euro innerhalb der SEPA-Teilnehmerländer beauftragen. Dabei autorisiert der Zahlungspflichtige die SEPA-Lastschrift durch das entsprechende SEPA-Lastschriftmandat »SEPA B2B Direct Debit«.

Das wesentliche Merkmal einer SEPA-Firmenlastschrift liegt jedoch im Verzicht des Widerspruchsrechts, denn anders als bei der SEPA-Basislastschrift besteht hier (nach Fälligkeit) keine Widerspruchsmöglichkeit für den Zahlungspflichtigen.
Bei der SEPA-Firmenlastschrift muss das Lastschriftenmandat jedoch bereits vor der ersten Fälligkeit bei der Bank des Zahlungspflichtigen hinterlegt sein. Damit ist sichergestellt, dass von der Bank des Zahlungspflichtigen nur solche Lastschriften eingelöst werden, für die auch ein Firmen-Lastschriftenmandat besteht.

Lastschrift-Widerspruch bei SEPA-Lastschriften

Bei der in Deutschland weit verbreiteten Lastschrift im Einzugsermächtigungsverfahren wurde oft eine Frist von acht Wochen für die Rückgabe der Lastschrift genannt. Diese Frist war aber nur gültig in der Beziehung zwischen Banken. Eine gesetzliche Regelung zur Rückgabefrist von Lastschriften in der Beziehung »Kunde zur Bank« wurde erst mit der SEPA-Lastschrift eingeführt.

Bei der Rückgabe von SEPA-Lastschriften wird zum einen unterschieden zwischen berechtigten und unberechtigten Lastschriften und zum anderen zwischen den Lastschriftarten SEPA Direct Debit (vergleichbar mit der »Einzugsermächtigung«) und SEPA B2B Direct Debit (ansatzweise vergleichbar mit dem »Abbuchungsauftrag«), der Lastschrift zwischen Firmen.
Die Lastschrift »SEPA Direct Debit« kann bis zu 8 Wochen nach Fälligkeit vom Zahlungspflichtigen ohne Angaben von Gründen zurückgegeben werden. Liegt für die Lastschrift kein SEPA-Mandat vor, verlängert sich die Frist auf 13 Monate nach Fälligkeit. Die Bank des Zahlungspflichtigen darf bei der »normalen« SEPA-Lastschrift maximal 5 Bankarbeitstage nach Fälligkeit einer Belastung widersprechen (z.B. wegen Kontodeckung) und die Lastschrit zurückgeben.

Der Belastung einer Lastschrift »SEPA B2B Direct Debit« kann nur vor Fälligkeit widersprochen werden. Die Bank muss daher vor der Belastung die Existenz eines SEPA-Mandats zu prüfen. Die Bank des Zahlungspflichtigen darf maximal zwei Bankarbeitstage nach Fälligkeit die SEPA B2B Lastschrift z.B. mangels Deckung zurückgeben.

Die Gläubiger-Identifikationsnummer (UCI)

Mit der Einführung der SEPA-Lastschrift gab es erstmals die Möglichkeit, offene Forderungen auch außerhalb nationaler Banksysteme einzuziehen. Neu im Vergleich zu bisherigen, nationalen Systemen ist, dass der Zahlungsempfänger eine europaweit eindeutige Kennung, die so genannte Gläubiger-Identifikationsnummer (oder UCI / Unique Credit Identifier) benötigt. Diese SEPA Gläubiger-Identifikationsnummer wird bei jedem Lastschriftmandat angehängt und lässt so eindeutige Rückschlüsse auf den Zahlungsempfänger zu.

Aufbau der SEPA Gläubiger-Identifikationsnummer

Die Gläubiger-ID (europaweit maximal 35 Stellen) setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:

  • zweistelliger ISO-Ländercode, z.B. "DE" für Deutschland
  • zweistellige Prüfziffer (die den Creditor Business Code nicht berücksichtigt)
  • dreistelliger Creditor Business Code, der vom Kunden selbst definiert werden kann
  • nationales Identifikationsmerkmal mit bis zu 28 Stellen

Für Deutschland hat die Deutsche Bundesbank die Verwaltung der Gläubiger-Identifikationsnummer übernommen. Die Gläubiger-ID hat in Deutschland genau 18 Stellen und der Creditor Business Code wird zunächst von der Deutschen Bundesbank mit »ZZZ« vorbelegt. Für die tatsächlich verwendeten SEPA-Mandate kann der Zahlungsempfänger diesen Creditor Business Code nun frei belegen, d.h. der Zahlungsempfänger könnte hier z.B. unterschiedliche Gläubiger-IDs für unterschiedliche Abteilungen generieren und parallel nutzen.

Wie erhalte ich die Gläubiger-Identifikationsnummer?

Die Gläubiger-Identifikationsnummer kann über das elektronische Antragsverfahren bei der Deutschen Bundesbank beantragt werden.

Ablauf einer SEPA-Lastschrift

Bei der SEPA-Lastschrift ist genau geregelt, wie der Ablauf eines Lastschriftenzugs auszusehen hat.

  • Der Zahlungsempfänger beantragt (einmalig) eine SEPA-Gläubigeridentifikation bei der Deutschen Bundesbank. Diese Gläubigeridentifikation ist jeder SEPA-Lastschrift beizufügen und identifiziert den Zahlungsempfänger.
  • Der Zahlungsempfänger schließt mit seiner Bank (einmalig) die entsprechende Inkassovereinbarung für SEPA-Lastschriften ab.
  • Der Zahlungspflichtige unterschreibt ein SEPA-Mandat, das er i.d.R. vom Zahlungsempfänger erhält. Dieses Mandat erlaubt dem Zahlungsempfänger eine SEPA-Lastschrift einzuziehen und berechtigt die Bank des Zahlungspflichtigen, die SEPA-Lastschrift dem Konto des Zahlungspflichtigen zu belasten. Im Falle einer SEPA-Firmenlastschrift (SEPA B2B Direct Debit) wird das Recht auf Widerspruch nach Fälligkeit ausgeschlossen.
  • Der Zahlungsempfänger informiert den Zahlungspflichtigen über den bevorstehenden Einzug der SEPA-Lastschrift (»Prenotification«)
  • Die Bank des Zahlungsempfängers leitet die Lastschriften an die Bank des Zahlungspflichtigen weiter.
  • Der Zahlungsempfänger erhält zum Fälligkeitstermin die Gutschrift aus den eingereichten Lastschriften.
  • Die Bank des Zahlungspflichtigen belastet zum Fälligkeitstermin dessen Konto, sofern es keine Gründe gibt, die dieser Belastung entgegenstehen (z.B. Widerspruch des Zahlungspflichtigen vor Fälligkeit, aufgelöstes Konto, fehlende Deckung).
  • Der Zahlungspflichtige widerspricht gegebenenfalls innerhalb der Widerspruchsfrist oder akzeptiert (i.d.R. stillschweigend) die SEPA-Lastschrift.
  • Die Bank des Zahlungspflichtigen leitet nicht eingelöste oder widersprochene SEPA-Lastschriften an die Bank des Zahlungsempfängers zurück.
  • Die Bank des Zahlungsempfängers belastet den Zahlungsempfänger mit den nichteingelösten oder widersprochenen Lastschriften.


(2. Revision / Stand 10.01.2022)

Älteste bekannte Version der Seite: 01.01.2000
Letzte Aktualisierung/ Revision der Seite: 14.01.2022

  •  

© 1998 - 2022 by Claus Lampert / ChartTec.de
Autor: Claus A. Lampert (wenn nicht anders angegeben)
Alle innerhalb des Internetangebotes genannten und ggf. durch Dritte geschützten Marken- und Warenzeichen bzw. Produktnamen unterliegen uneingeschränkt den Bestimmungen des jeweils gültigen Kennzeichenrechts und den Besitzrechten der jeweiligen eingetragenen Eigentümer.