Das Trading-Tagebuch

Lernen Sie aus Ihren Fehlern


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Fragt man erfolgreiche Trader nach ihren »Geheimnissen«, wird oft an erster Stelle »Disziplin« genannt. Wer nicht über die nötige Disziplin verfügt, die Verluste zu begrenzen und die Gewinne laufen zu lassen, der wird das eigene Depot Lexikon früher oder später vernichten. Disziplin erfordert aber immer auch Kontrolle und hierfür dient das Trading-Tagebuch.



Ich habe gerade in einem sehr guten Börsenbuch folgende Definition (sinngemäß) gefunden:



Ein Trading-Tagebuch verwandelt Verluste von »Spielgeld« in »Lehrgeld«!

Diese Überlegung macht Sinn: wenn ich Geld verloren habe und ich weiß hinterher nicht einmal, warum dies passierte, dann habe ich keine Lehre daraus gezogen: ich habe das Spielgeld einfach wie beim Roulette verzockt. Wenn ich jedoch nach drei Monaten mein Trading-Tagebuch zur Hand nehmen kann, den Trade nachvollziehe und eventuell den individuellen Fehler entdecke, dann kann ich daraus eine Lehre ziehen. Aus »Spielgeld« wird »Lehrgeld«.

Wo kann ich mein Trading-Tagebuch kaufen?

Sie werden bei Ihrem Schreibwarenhändler sicherlich keine große Auswahl an »Trading-Tagebüchern« vorfinden und ich vermute auch, dass der Händler Sie eher seltsam ansehen wird wenn Sie danach fragen. Im Ernst: die Form des Trading-Tagebuchs ist zunächst völlig irrelevant: ob Sie nun eine (ordentliche!) Loseblattsammlung anlegen, ein Notizbuch verwenden, eine Online-Variante nutzen (z.B. einen Blog) oder ein Excel-Sheet: es bleibt Ihnen überlassen solange Sie dieses Trading-Tagebuch auch wirklich nutzen!

Beispiel für einen Eintrag

Ich persönlich verwende im Trading-Tagebuch z.B. beim Kauf einen Eintrag in der folgenden Form (diesen recht umfangreichen Eintrag lasse ich mir vom Positionsgrößenrechner Lexikon erstellen, Link siehe Seitenfuß):



Ich ordere per Stop-Buy-Limit 275 Stk. adidas Mini-Future Short (ISIN NL0000098960) über den Börsenplatz Stuttgart. Der Kaufauftrag ist gültig bis einschließlich 01.06.2006.
Das Stop-Buy-Limit für die Position liegt bei EUR 4,60 und berücksichtigt man bei der Order eine Slippage von 0.5% ergibt sich ein theoretischer Kaufpreis von EUR 4,62.
Der Gegenwert der Position entspricht inkl. EUR 10,00 Gebühren (0,78% vom Kaufpreis) also rund EUR 1281,32.
Das erste Stop-Loss setze ich bei EUR 3,80. Berücksichtigt man beim Verkauf per Stop-Loss eine Slippage von 0.5% ergibt sich ein theoretischer Ausführungskurs von EUR 3,78. Damit begrenze ich, zumindest theoretisch, das Risiko auf EUR 251,55 (rund 19,63% der Position.)
Unter Berücksichtigung der Gebühren befindet sich die Position ab einem tatsächlichen Verkaufskurs von EUR 4,70 im Gewinn.
Für ein Risiko-/Chance-Profil von 1:1 muss der Kurs bis EUR 5,61 Potenzial bieten.

Das Tagebuch

Ich kann mit den Einträgen im Trading-Tagebuch auch später jederzeit nachvollziehen:
  • welchen Betrag wurde eingesetzt (inkl. Gebühren)
  • wo lag das erste Stop-Loss
  • wie hoch war das mit diesem initialen Stop-Loss Lexikon verbundene theoretische Risiko
  • wo liegt der Break-Even-Punkt und
  • wo liegt der erste Zielkurs für das definiertes Risiko / Chance - Profil.


Ergänzen kann (und sollte) man den Eintrag auch mit der Begründung, warum man das Engagement eigentlich eingeht: will man den Trend mitnehmen, will man einen Ausbruch traden o.ä.? Je ausführlicher Sie Ihre Beweggründe dokumentieren, desto besser können Sie später individuelle Fehler identifizieren.
Während die Position läuft, sollten Sie das Trading-Tagebuch natürlich weiterführen. Welche Überlegungen stellen Sie an, wenn Sie dem Chartverlauf folgen? Wann ziehen Sie Ihre Stop-Loss Lexikon nach? Juckt es Sie in den Fingern zu früh zu verkaufen oder Stop-Loss-Aufträge zu ignorieren? Notieren Sie das!
Wenn der Verkauf dann erfolgt ist, notieren Sie Ihre Gedanken ebenfalls: wie war die Ausführung Ihres Auftrags, gab es einen Kursprung zu Ihren Ungunsten durch den Stop-Loss-Auftrag? Auch das ist später interessant! Haben Sie gleich eine Anmerkung zum Trade? Ärgern Sie sich darüber, dass Sie nicht zum bestmöglichen Kurs verkauft haben. Ihre Emotionen sind sehr wichtig für das Trading-Tagebuch! Ebenso ein neuer Chart Lexikon als Vergleich zum Chartbild beim Einstieg.
Meiner Meinung nach wichtig: vergessen Sie jetzt zunächst den Trade, bekommen Sie den Kopf frei! Freuen Sie sich nicht zu lange über Ihren Gewinn, trauern Sie nicht zu lange dem verlorenen Geld hinterher. Konzentrieren Sie sich wieder auf die offenen Positionen oder auf neue Chancen. Lassen Sie sich vom letzten geschlossenen Trade nicht zu sehr beeinflussen!

Fehlersuche

Noch ein Wort zu Fehlern: suchen Sie mit ein paar Wochen Abstand mit Hilfe des Trading-Tagebuchs die Fehler, die Sie sich selbst zuzuschreiben haben! Stichwort: »Disziplin«! Haben Sie wider aller Vernunft ein Stop-Loss Lexikon gelöscht? Haben Sie von Anfang an ein zu hohes Risiko gefahren? Haben Sie einen Trade nur gemacht um den Verlust eines anderen Trades zu (über-) kompensieren? Das sind tatsächlich Fehler die man abstellen kann und muss. Es ist meiner Meinung nach aber z.B. kein Fehler, wenn der Markt etwas anderes macht als Sie eigentlich erwarteten! Sie können zwar darüber nachdenken, ob Sie vielleicht ein nicht funktionierendes System verwenden, das ist aber dann kein persönlicher Fehler!
Nutzen Sie Ihr Trading-Tagebuch um ihre Disziplin beim Trading zu verbessern und um aus persönlichen Fehlern zu lernen. Sonst sind Sie nur ein Zocker ohne Plan und vermutlich auch ohne Aussicht auf langfristigen Erfolg!

Weiterführende Links:

Positionsgrößenrechner
Beispiel für ein Trading-Tagebuch

Älteste bekannte Version der Seite: 19.06.2012
Letzte Überarbeitung der Seite: 29.09.2017




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Autor: Claus A. Lampert (wenn nicht anders angegeben)
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