Risiko im Geld oder Risiko im Markt?

Positionsgrößenbestimmung


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Risiko im Geld oder Risiko im Markt? Der Unterschied ist schnell erklärt: beim Risiko »im Geld« ist die Position relativ groß bzw. entsprechend gehebelt, beim »Risiko im Markt« bleibt die Position relativ klein, dafür muss aber der Markt entsprechend länger in die gewünschte Richtung laufen. Im ersten Falle kann eine schnelle Bewegung in die falsche Richtung das Depot Lexikon ernsthaft gefährden, im zweiten Falle steigt das Risiko, dass die Richtung zunächst stimmt, der Zielkurs dann aber doch nicht erreicht wird. Es werden also gegebenenfalls viele Positionen mit Ergebnissen nahe dem Nullpunkt ausgestoppt.



Man muss sich bei einem Trade von Anfang an im Klaren darüber sein, ob man einen Ausbruch, eine Bewegung oder einen Trend handeln will. Einen Trend mit dem »Risiko im Geld« zu traden ist vermutlich ebenso wenig sinnvoll wie einen Ausbruch mit dem »Risiko im Markt« (was in diesem Falle eher als »zu kleine Position« bezeichnet werden sollte).


Beispiel -1-: Risiko im Markt -> Trend-Trading

Im folgenden Chat sehen wir den »Trade einer Trendbewegung«, der durch ein etwas zu enges Stop-Loss Lexikon ohne Gewinn bleibt. Wir handeln eine Standardposition (10% vom Gesamtdepot) und nehmen als Stop den Tiefpunkt der letzten Korrektur an. Das Chance/Risiko-Verhältnis 1:1 definiert den erwarteten Zielkurs.



Chart: Standard and Poors 500
Chart: Standard and Poors 500
Kursdaten: Lenz + Partner AG

  • Im Punkt -1- wollen wir die Trend-Bewegung mitnehmen und eröffnen um die 1.390 Punkte eine Long-Position. Das initiale Stop-Loss Lexikon liegt um die 1.360 Punkte. Als Ziel der Bewegung nehmen wir die 1.417,50 Punkte an: dort liegt die Projektion der Korrektur von Ende Oktober bis Anfang November.
  • Im Punkt -2- dreht der Markt, die Bewegung ist nicht so stark wie gedacht. Das Stop-Loss Lexikon wird knapp unter den Einstiegskurs nachgezogen. Nach den Kriterien des Trend-Tradings liegt es nun zu eng am Markt.
  • Im Punkt -3- läuft die Position in´s Minus, der Ausbruch ist beendet.[/li)
  • Im Punkt -4- wird die Position ausgestoppt, obwohl der Trend eigentlich noch intakt ist: das Tief bei rund 1.360 Punkten wurde nicht unterschritten!
  • Im Punkt -5- erreicht der S&P 500 das Kursziel, während wir ohne Position dem Markt zusehen.



Fazit: Durch das »Risiko im Markt« und ein für das Trend-Trading zu enges Stop-Loss Lexikon wurde die korrekt vorausgesehene Bewegung nicht genutzt.

Beispiel -2-: Risiko im Geld -> Trading der Bewegung

Im folgenden Chat sehen wir einen »Trade der Bewegung«. Der Trade endet sehr glücklich am Zielkurs. Wir handeln eine doppelte Standardposition (20% vom Gesamtdepot) und nehmen als Stop den Tiefpunkt direkt vor dem Ausbruch an (rund 1.375 Punkte). Das Chance/Risiko-Verhältnis 1:1 definiert den erwarteten Zielkurs bei rund 1.405 Punkten.



Chart: Standard and Poors 500
Chart: Standard and Poors 500
Kursdaten: Lenz + Partner AG

  • Im Punkt -1- wollen wir die Bewegung mitnehmen und eröffnen um die 1.390 Punkte eine Long-Position. Das initiale Stop-Loss Lexikon liegt um die 1.375 Punkte. Als Ziel der Bewegung nehmen wir die 1.405 Punkte an: dort liegt die Projektion der Korrektur direkt vor dem Ausbruch.
  • Im Punkt -2- erreicht der Markt den Zielkurs und wir verkaufen limitiert die Long-Position.
  • Im Punkt -3- bemerken wir, dass wir sehr großes Glück hatten.
  • Im Punkt -4- dürfen wir der entgangenen Trend-Bewegung nicht nachtrauern.



Fazit: Durch das »Risiko im Geld« und die klare Zielsetzung: »Handel der Bewegung« wurde die Position trotz der geringen Kursspanne ein Erfolg für das Depot Lexikon. Mit einer normalen Positionsgröße Lexikon würden die Transaktionskosten einen großen Teil der Performance nehmen.


Beispiel -3-: Risiko im Geld -> Trading der Bewegung

Im folgenden Chat sehen wir einen völlig schiefgegangenen (zum Glück nur fiktiven) »Trade der Bewegung« mit dem »Risiko im Geld«. Wir handeln eine doppelte Standardposition (95 Aktien Lexikon, 20% vom EUR 25.000,- Gesamtdepot) und nehmen als Stop den Tiefpunkt vom September an (rund US$ 47,-). Das Chance/Risiko-Verhältnis 1:1 definiert den erwarteten Zielkurs bei rund US$ 58,18.



Chart: Apollo Group US$
Chart: Apollo Group US$
Kursdaten: Lenz + Partner AG

  • Im Punkt -1- wollen wir die Bewegung mitnehmen und eröffnen per Stop-Buy (US$ 52,-) ein Long-Position über 95 »Apollo Group«. Der Kaufkurs liegt bei US$ 52,26. Das initiale Stop-Loss Lexikon liegt um die US$ 47,- und damit eigentlich zu tief. Als Ziel der Bewegung nehmen wir die US$ 58,18 an.
  • Die Position entwickelt sich nicht wie gewünscht, der Ausbruch wird sogar zurückgeführt. Das Stop-Loss Lexikon bei Punkt -2- liegt sehr tief für einen »Trade der Bewegung«.
  • Ein langes GAP-down hinterläßt im Punkt -3- ein Desaster im Depot Lexikon: es gehen knapp über EUR 1.000,- verloren, was rund 4% des Gesamtdepots bedeutet.



Fazit: Durch das »Risiko im Geld«, das etwas zu weite Stop-Loss Lexikon und eine katastrophale Bewegung wird das Depot Lexikon enorm zurückgeworfen.


Aus diesen Betrachtungen dürfte klar sein: Ausbrüche werden tendenziell eher mit dem »Risiko im Geld« gehandelt, Trends mit dem »Risiko im Markt«.

Bewegungen sollten mit einer durchdachten Mischung aus »Risiko im Geld« und »Risiko im Markt« gehandelt werden. Das Traden der Bewegung mit einem erhöhten Risiko im Geld hat den Vorteil, dass man die Position am Zielkurs durch eine Teilrealisierung der Gewinne verkleinern kann und mit einer kleineren Positionsgröße Lexikon zum »Trend-Trading« mutieren lässt. Eine solche Veränderung ist beim »Ausbruch-Trading« bzw. dem »Trend-Trading« nicht möglich. Im ersten Falle wird die Position entweder ausgestoppt oder aber am vorher definierten Zielkurs verkauft. Im Falle des »Trend-Trading« kann eine Veränderung des Tradingziels nur als »schlechtes Trading« bezeichnet werden.

Zum »Ausbruch-Trading« noch ein Wort: ich erhöhe lieber die Positionsgröße Lexikon und nicht den Hebel. So hat man etwas weniger Probleme durch das Rauschen des Marktes und seltener überraschend schnelle Bewegungen mit viel Slippage am Stop-Loss-Limit.

Älteste bekannte Version der Seite: 19.06.2012
Letzte Überarbeitung der Seite: 04.09.2017




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