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Leerverkauf (short selling) - Verkaufen was einem nicht gehörtLeerverkauf (short selling)

Verkaufen was einem nicht gehört



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Der Leerverkauf ist ein Termingeschäft

Der Leerverkauf von Aktien kann nur funktionieren, da der Handel von Wertpapieren nicht zu einer sofortigen Lieferung der Papiere verpflichtet. Wann die Papiere geliefert werden müssen ist abhängig von der jeweiligen Börse. Der Liefertermin liegt an der Frankfurter Wertpapierbörse drei Tage nach Verkauf, an der London Stock Exchange hingegen z.B. fünf Tage.

Der Leerverkäufer hofft auf sinkende Börsenkurse. Er verkauft Wertpapiere zu einem bestimmten Zeitpunkt und verpflichtet sich, die Papiere innerhalb einer bestimmten Zeitspanne nachzuliefern. Sinkt der Preis des Papiers, erlöst er den vereinbarten Verkaufspreis und kann die Papiere zur Lieferung innerhalb der Fristen billiger einkaufen. Steigt der Aktienkurs macht der Leerverkäufer hingegen Verluste, da er die Papiere teurer einkaufen muss.

Beispiel: Klassischer Leerverkauf

Ein Leerverkäufer (»Shortseller«) verkauft über die Börse 1.000 Aktien der »Mustermann AG« zu einem Kurs von 100,- Euro. Liefern muss er die Wertpapiere aber erst drei Tage später. Sinkt der Kurs der Wertpapiere zwischen Verkauf und Liefertermin auf 90,- Euro, kann der Leerverkäufer 10.000,- Euro (vor Transaktionskosten und »Finanzierungskosten«) Gewinn erzielen.

Geringer Kapitaleinsatz, hoher Hebel: »naked short selling«

In der Praxis verfügen Leerverkäufer meist nicht real über das eingesetzte Kapital (»naked short selling«). Sie hinterlegen lediglich eine Deckungssumme. Vereinfacht dargestellt könnte das wie folgt aussehen: Der Leerverkäufer verkauft 1.000 Aktien der »Mustermann AG« zum Kurs von 100,- Euro. Er »leiht« sich die Aktien von seinem Broker und zahlt diesem eine Leihgebühr von 5.000,- Euro. Diese 5.000,- Euro entsprechen also seinem tatsächlich eingesetzten Kapital.
Am Tag, an dem Leerverkäufer liefern muss, notieren die Aktien der »Mustermann AG« z.B. bei 90,- Euro. Der Leerverkauf kann daher zu 90.000,- Euro glatt gestellt werden. Der Leerverkäufer erwirtschaftet auf sein eingesetztes Kapital (5.000,- Euro) einen Gewinn von 10.000,- Euro, also 100 Prozent (vor Transaktionskosten und Finanzierungskosten).
Man spricht in diesem Falle auch von einer Hebelwirkung. Die reale Kursänderung von rund 10 Prozent wurde für den Verkäufer zu 100 Prozent, der Multiplikator (Hebel) betrug also 10.

Risiken und Nebenwirkungen

»Short selling« kann eine außergewöhnlich rentable Strategie sein, ist aber ebenso spekulativ wie risikoreich.
Das Risiko ist in normalen Börsenzeiten etwas kleiner als 1:1, da Kurse in der Regel volatiler fallen als steigen, d.h. wenn der Leerverkäufer von volatil fallenden Kursen ausgeht hat er meist weniger volatil erfolgende Aufwärtsbewegung gegen sich.

Das größte Risiko eines Leerverkaufes besteht im so genannten »Short Squeeze«: Wenn zum Zeitpunkt der Lieferung eine Knappheit an benötigten Wertpapieren auftritt, muss der Leerverkäufer teuer Wertpapiere zurückkaufen. In diesem Falle ist theoretisch auch das Verlustrisiko gehebelt.
Ein solcher extremer »Short Squeeze« ließ z.B. im Oktober 2008 die Volkswagen-Aktie regelrecht explodieren. Nach der Ankündigung durch Porsche, weitere Volkswagen-Aktien kaufen zu wollen, kamen die Leerverkäufer in Volkswagen-Aktien in enorme Schieflage: an der Börse waren nur noch wenige Volkswagen-Aktien verfügbar (der Free-Float lag zu diesem Zeitpunkt unter 5%), Fondsmanager mussten in die steigenden Kurse hinein Volkswagen-Aktien kaufen um den DAX nachzubilden und Leerverkäufer (meist Hedge-Fonds), die auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten nun »zu jedem Preis« die bereits verkauften Aktien nachliefern.

Der Volkswagen Short Squeeze
Der Volkswagen Short Squeeze

Rechtliche Rahmenbedingungen

In Deutschland sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen Leerverkauf im § 433 Absatz 1 Satz 1 zwar gegeben, das deutsche Börsenrecht hingegen untersagt die Spekulation in Form von Leerverkäufen jedoch. Direktes short selling von Wertpapieren ist nur dann möglich, wenn der Leerverkäufer sich diese zuvor bei einem Kreditinstitut, einem Fonds oder einer Versicherung geliehen hat.



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Autor: Claus A. Lampert (wenn nicht anders angegeben)
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