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Der Aktienkurs: wie funktioniert die Kursfeststellung? - Aufgabe des Maklers und der Börse: der Kurs einer AktieDer Aktienkurs: wie funktioniert die Kursfeststellung?

Aufgabe des Maklers und der Börse: der Kurs einer Aktie



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Auftrag der Börse: Aktienkurse feststellen

Eine der Hauptaufgaben von Wertpapierbörsen ist die ordnungsgemäße Kursfeststellung eines Wertpapiers. Die von der Börse mit der Kursfeststellung beauftragten Kursmakler sind gehalten, den Kurs einer Aktie so festzustellen, dass der höchstmögliche Umsatz aus den vorhandenen Kauf- und Verkaufsaufträgen erzeugt wird. Da diese Kursfestellung, wie wir im folgenden sehen werden, relativ kompliziert ist, wird die eigentliche Kursfeststellung in der Regel durch Computer unterstützt bzw. an der NASDAQ oder XETRA sogar komplett übernommen.

Das Orderbuch

Lassen wir nun einige wenige Kauf- und Verkaufaufträge für die sehr marktenge »michwillkeiner AG« an die Börse hereinlaufen und tragen wir diese ins Orderbuch ein. Hintergrundinfo: der zuletzt festgestellte Aktienkurs heute lag bei EUR 100,- und die Aktie ist in den letzten Tagen bereits um EUR 15,- gestiegen. Der Schlusskurs gestern lag bei 95,- Euro.

Die Käuferseite (»Geld« bzw. »Bid«)

Betrachten wir zunächst die Käufer und ihre Beweggründe:

  • Käufer Nummer Eins hat durch einen tollen Börsenbrief gestern abend den brandheißen Tip bekommen, dass die Aktie in´s Unermessliche steigen wird. Er will die Aktie unbedingt haben und es interessiert ihn aufgrund seiner Euphorie nicht, wie viel er für die Aktie ausgibt. Er ordert 40 Stück billigst (d.h. »zu jedem Preis«, sein Depot umfasst eh nur insgesamt EUR 5.000,-). Was interessiert ihn denn schon der Preis, oder was die Firma wirklich macht? Er hat eh kein Wort von dem verstanden, was der Börsenbrief geschrieben hat! So viele Fachbegriffe, soviele Informationen! Unter den versprochenen 100% Gewinn gibt er die Aktien nicht mehr her!
  • Käufer Zwei hat bei EUR 98,- einen Widerstand in der Aktie identifiziert und interpretiert den Kurs bei EUR 100,- als kurzfristiges Ausbruchssignal. Da er nur die Bewegung bis EUR 110,- mitnehmen will (bei EUR 115,- liegt das All-Time-High der Aktie!), beabsichtigt er, nicht mehr als EUR 102,- ausgeben und bei EUR 110,- wieder zu verkaufen. Er ordert 70 Stk. (»fill or kill«) mit Limit EUR 102,-
  • Käufer Nummer Drei hat den Wert (KGV, KUV, PEG, Dividendenrendite) und die Marktlage (Zinsentwicklung, Kriegsgefahr, Branchenvergleich) ausgiebig fundamental analysiert und kommt zu dem Schluß, dass die Aktie bei EUR 150,- fair bewertet wäre. Da er trotzdem vorsichtig ist und den Einstiegspreis unter Kontrolle halten will, kauft er 100 Stk. limitiert zu 101,- Euro.
  • Bei Käufer Nummer Vier handelt es sich um einen Fonds, der ein halbes Prozent seines Vermögens in Aktien der »michwillkeiner AG« anlegen will. Um dieses gewünschte Engagement zunächst zu verschleiern, werden nur kleinste Positionen zwischen 100 und 200 Stück gekauft. Aktuell liegt ein Kaufauftrag für 150 Stk. limitiert zu EUR 100,- im Markt. Weitere Aufträge würden folgen.

Die Verkäuferseite (»Brief« bzw. »Ask«)

Auch bei den Verkäufern führen die unterschiedlichsten Beweggründe zum Verkaufauftrag:

  • Verkäufer Nummer Eins hat den Anstieg der letzten Tage mitgenommen und sieht im Orderbuch, dass ausreichend Nachfrage über EUR 100,- vorhanden ist. Er will seine 30 Aktien auf jeden Fall los werden (»Gewinne mitnehmen«) und verkauft daher bestens.
  • Verkäufer Nummer Zwei hat vor 20 Minuten 130 Aktien zu EUR 98,- gekauft (bei EUR 98,- liegt der Widerstand, der auch Käufer Nummer Zwei inspiriert!) und will zu EUR 102,- verkaufen. Sein fixes Ziel sind also EUR 4,00 pro Aktie. Er beobachtet realtime die Kurse und kann entprechend schnell reagieren. Sollte der Kurs auf EUR 98,50 fallen (dort liegt sein nachgezogenes, mentales Stop-Loss) wird er den Verkaufsauftrag löschen und »bestens« verkaufen.
  • Verkäufer Nummer Drei gibt einen bekannten Börsenbrief heraus und hat privat eine größere Position bei EUR 85,- gekauft. Bis vorgestern puschte er unter diversen Usernamen und in verschiedenen Börsenforen den Wert um künstlich Umsatz in der Aktie zu erzeugen. Gestern nach Börsenschluß gab er nun in seinem Börsenbrief eine groß angelegte Kaufempfehlung (»mindestens 100% Kursgewinn möglich!«) für den Wert heraus. Er selbst will ab EUR 101,- anfangen zu verkaufen (er gibt dem Kurs reelle Chancen bis maximal EUR 115,-) und hat einen ersten »unauffälligen« Verkaufsauftrag über 90 Stk. im Markt.
  • Verkäufer Nummer Vier arbeitet bei der »michwillkeiner AG« und bekommt einen Teil seines Gehaltes in Form von Belegschaftsaktien. Er hat keine Ahnung von Börsengeschäften, benötigt aber gerade EUR 4.500,- für den Jahresurlaub und will daher 50 Aktien limitiert zu EUR 100,- verkaufen.
  • Verkäufer Nummer Fünf hat die Aktie bei EUR 90,- gekauft und will einfach nur den vorhandenen Trend mitnehmen. Zur Absicherung seiner Position über 120 Stk. hat er ein Stop-Loss bei EUR 96,- am Markt liegen.

Das Orderbuch

In der unten stehenden Tabelle sehen Sie nun das Orderbuch des Maklers nach der Entgegennahme der oben genannten Orders. Beachten Sie, dass der Stop - Loss - Auftrag von Verkäufer Nummer Fünf im öffentlichen Orderbuch nicht auftaucht. Bei der Preisbildung spielt er im Augenblick auch keine Rolle. Noch wurde das Stop - Loss - Limit ja nicht genau erreicht oder unterschritten, d.h. die Order ist noch nicht marktrelevant.

Die Kursfeststellung: das Orderbuch
Die Kursfeststellung: das Orderbuch

Die Kursbildung

Der Computer des Maklers stellt nun fest, welcher Kurs zum größtmöglichen Umsatz führt. Dazu wird auf der Käufer- und Verkäuferseite festgestellt, zu welchem Kurs wieviele Aktien umgesetzt werden können. Man muß beachten: »billigst« und »bestens« Orders akzeptieren jeden Preis. Limitierte Orders akzetieren jeden Preis, der aus der jeweiligen Sicht günstiger ist (niedrigere Kaufpreise beim Kauf, höherer Verkaufspreis beim Verkauf). Stop-Buy und Stop-Loss - Aufträge sind für die Preisbildung nicht relevant. Sie werden ja (gegebenenfalls) erst durch die Kursfeststellung in »billigst« bzw. »bestens« - Aufträge umgewandelt und erst dann für die nächste Kursfindung in´s Orderbuch eingestellt.

Kursbildung: Feststellung der Umsätze
Kursbildung: Feststellung der Umsätze

Insgesamt gibt es in unserem Beispiel Kaufaufträge für 360 Stück der Aktie. Alle diese Aufträge (inkl. dem unlimitierten!) könnten zum Preis von EUR 100,- ausgeführt werden. Bei einem Preis von EUR 101,- wären es nur 210 Stück (100 Stück zu EUR 101,- plus 70 Stück zu höchstens EUR 102,- und die 40 Stück unlimitiert). Bei einem Kurs von EUR 102,- würden nur noch 110 Stk. nachgefragt werden.

Nun die Verkaufsaufträge: zum Kurs von EUR 100,- kann der Makler bei den vorliegenden Aufträgen maximal 80 Stück verkaufen (50 Stück, die zum Limit EUR 100,- beauftragt wurden plus die 30 Stück, die bestens, also zu jedem Preis verkauft werden sollen). Die Frage lautet aber: Wird damit schon der maximal mögliche Umsatz erreicht? Nein, denn bei einem Preis pro Aktie von EUR 101,- liegen Kaufaufträge für insgesamt 210 Stück vor. Dem gegenüber stehen Verkaufsaufträge von 170 Stück (30 Stück, die bestens, also zu jedem Preis verkauft werden sollen, plus 90 Stück zu genau EUR 101,- und 50 Stück, die mindestens zu EUR 100,- verkauft werden sollen). Das bedeutet, dass bei einem Kurs von EUR 101,- alle passenden Verkaufsaufträge ausgeführt werden und also 170 Aktien den Besitzer wechseln. Der Makler wird also in diesem Fall den Kurs auf EUR 101,- festsetzen. (Bei einem Preis von EUR 102,- würden nur 110 Aktien umgesetzt.

Ausführung

Der Vollständigkeit halber schauen wir nochmals die Teilnehmer an und wie sich die Kursfeststellung auswirkt:

  • Käufer Eins bekommt seine 40 Aktien und wartet vor Nervosität zitternd vor dem Bildschirm, bis die Aktie bei EUR 200,- ankommen wird. Bis dahin beleidigt er in Börsenforen alle Skeptiker bezüglich »michwillkeiner AG«. Möglicherweise wird er später die Aktien zu EUR 65,- verkaufen.
  • Käufer Zwei freut sich über den Kurs (zwar EUR 1,- gestiegen aber EUR 1,- unter dem Kauflimit)und tritt demnächst als Verkäufer auf. Entweder weil sein Kursziel erreicht wird (bei EUR 110,-) oder weil sein Stop-Loss durchbrochen wird.
  • Käufer Drei zahlt EUR 101,- für seine Aktien und bekommt eine Teilausführung. (Käufer Eins orderte billigst, Käufer Zwei mit Zusatz »fill or kill«). Er ist stinkesauer, bleibt aber als Käufer präsent und wird entweder bald eine weitere Ausführung bekommen (die Order bleibt ja gültig!) oder aber er wird später seine Order in »billigst« ändern (Scheiß Banken!) Sollte der Kurs später fallen sind alle doof außer ihm (»warum bin ich der einzige, der den wahren Wert der Aktie kennt?«)
  • Käufer Vier, der Fonds, bleibt mit dem Kaufauftrag zu EUR 100,- im Markt. Die Änderung im Kurs wird vermutlich überhaupt nicht wahrgenommen.
  • Verkäufer Eins freut sich, dass er mit seinem Orderbuch-Reading richtig lag und er sogar EUR 101,- für seine Aktien bekommt. Die EUR 30,- zusätzlich bezahlen seine Bankprovision.
  • Verkäufer Zwei bleibt völlig cool, wartet auf die EUR 102,- und zieht sein gedankliches Stop-Loss auf EUR 99,50 nach. Der Markt läuft für ihn in die richtige Richtung.
  • Verkäufer Drei nimmt grinsend die EUR 101,- entgegen und stellt demnächst den nächsten Verkaufsauftrag zu EUR 102,- in´s Orderbuch. In seinem Börsenbrief wird er den KAUFKURS der Aktie natürlich (!) mit EUR 95,- vermerken (Schlußkurs gestern!)
  • Verkäufer Vier fliegt in Urlaub und hat nun EUR 550,- Taschengeld statt EUR 500,- (VOR Gebühren!)
  • Verkäufer Nummer Fünf bekommt vom neuen Kurs nichts mit. Er bekommt von seinem Kursdatenversorger Lenz + Partner erst eine SMS, sollte der in TaiPan - Realtime hinterlegte Stop - Loss - Kurs erreicht oder unterschritten werden.

Times and Sales / das neue Orderbuch

Betrachten wir nun die Kursstellung werden in der »Times and Sales« - Liste drei neue Zeilen auftauchen:

Das Orderbuch
Das Orderbuch

Der erste Eintrag zeigt, dass ein Umsatz von 170 Stk. zu EUR 101,- erfolgte. Zeilen -zwei- und -drei- zeigen, dass nach dem festgestellten Umsatz das aktuell höchste Kauflimit bei EUR 101,- (40 Stk.) und der niedrigste Verkaufauftrag mit Limit EUR 102,- (130 Stk.) am Markt liegen. Je nach Qualität des Orderbuchs sieht man zusätzlich auch noch die nächstfolgenden Aufträge (Anzahl je nach »Orderbuchtiefe«).

Orderbuch: Ausgeführte Orders
Orderbuch: Ausgeführte Orders

Fazit

Warum ist es so wichtig, dass man sich grundsätzlich einmal klar macht, wie Aktienkurse eigentlich tatsächlich gebildet werden? Weil man erkennt, dass die unterschiedlichsten Interessen aufeinanderprallen. Für jeden Trade benötigt man Käufer und Verkäufer mit unterschiedlichen Meinungen und Beweggründen. Es ist völlig unmöglich festzustellen, WARUM ein spezieller Kurs zustande kommt, dazu müsste man alle Teilnehmer nach ihren Beweggründen befragen. Das Beispiel zeigt auch, dass nicht unbedingt eine Analyse (gleich welcher Art) zu einer Kauf- / Verkaufsentscheidung führt. Der Aktienkurs muß also im Sinne einer Analyse keineswegs »fair« oder »erklärbar« sein.



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Autor: Claus A. Lampert (wenn nicht anders angegeben)
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