Fibonacci Retracements

Eine Geheimwaffe? Oder nur Unterstützung und Widerstand?


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Bei seinen mathematischen Studien entdeckte das Finanzgenie Leonardo Fibonacci de Pisa im 13. Jahrhundert einige Zahlen mit höchst seltsamen Eigenschaften. Diese Fibonacci-Zahlen (z.B. 0,382... / 0,500... / 0,618...) sollten Jahrhunderte später in der technischen Analysen von Wertpapieren - vor allem durch die Studien zur Elliott-Wellen-Theorie Lexikon - große Bekanntheit erlangen. Im folgenden will ich auf die höchst interessante Funktion der Fibonacci-Retracements als Unterstützung und Widerstand eingehen.



Was sind Fibonacci-Retracements?

Fibonnacci-Retracements spielen vermutlich eine große Rolle bei der Ausbildung einer Gegenbewegung innerhalb eines bestehenden Trends. Bei diesen Korrekturen kann man sehr oft feststellen, dass es Widerstands- und Unterstützungslinnen gibt, an denen das Basisobjekt auffällig oft »Pausen« einlegt. Legt man an einen Chart Lexikon die so genannten Fibonacci-Linien an, die bei 38,2%, 50,0% und 61,8% der vorherigen Trendbewegung eingezeichnet werden, findet man auffällige Übereinstimmungen mit diesen sonst eher zufällig erscheinenden Widerständen und Unterstützungen im Chart Lexikon.


DAX mit Fibonacci-Retracements
DAX mit Fibonacci-Retracements
Kursdaten: Lenz + Partner AG

Verwendung der Fibonacci-Retracements

Im Beispiel-Chart nahm ich als Ausgangswert die Kursbewegung des DAX Lexikon vom damaligen All-Time-High des DAX Lexikon im Juli 1998 (Startwert sozusagen 0%) und als Ende der Bewegung das Tief vom Oktober 1998 (100% der Abwärtsbewegung). Die eingezeichnete rote Linie kennzeichnet also eine Bewegung von ca. 6.171 Punkten bis ca. 3.896 Punkten (= 100% der Bewegung). Die blauen Linien entsprechen dem jeweiligen Fibonacci-Retracement am 38,2%- Level (ca. 4.765 Punkte), 50,0%- Level (ca. 5.033 Punkte) und 61,8%- Level (ca. 5.301 Punkte.) Das Erstaunliche an diesen eingezeichneten Widerstandslinien im Chart Lexikon ist, dass sowohl in der Entstehung der Bewegung (links) als auch nach der Vollendung (rechts) auffällig viele Kurspunkte (Höchst- und Tiefstpunkte) in direkter Nachbarschaft des jeweiligen Fibonacci-Retracements liegen.


DAX mit Fibonacci Retracements
DAX mit Fibonacci Retracements
Kursdaten: Lenz + Partner AG

Im weiteren Verlauf kam es zur Erholung von Mitte Oktober 1998 (ca. 3.896 Punkte) bis Ende November 1998 (ca. 5.172 Punkte). Da es zu keinem 61,8%-Rückschlag (Fibonacci-Reversal) kam, habe ich dieses Fibonacci-Retracement im Chart Lexikon weggelassen. Eingezeichnet sind die Fibonacci-Level 38,1% (ca. 4.344 Punkte) und 50,0% (ca. 4.502 Punkte). Auch hier sind wieder auffällig viele Widerstände (»resistance«) sowohl in der Entstehung als auch in der folgenden Bewegung in direkter Nachbarschaft zu den Retracements (»fibonacci-levels«) anzutreffen.


DAX mit Fibonacci Retracements
DAX mit Fibonacci Retracements
Kursdaten: Lenz + Partner AG

Als letzten Chart Lexikon der erneute Anlauf des DAX Lexikon, diesmal die Bewegung von Mitte Dezember 1998 (ca. 4.453 Punkte) bis Anfang Januar 1999 (ca. 5.509 Punkte.) Die Fibonacci-Retracements verlaufen bei ca. 5.106, 4.981 und 4.856 Punkten. Auch hier wieder die auffällige Häufung der Tageshöchst- und Tiefstkurse, selbst der politisch bedingte Kurssprung (»GAP« Lexikon) durch den Rücktritt Oskar Lafontaines endete mit nur 6 Punkten Abstand zum 38,2%-Level des Fibonacci-Retracements und auch der Tiefstkurs Anfang März 1999 ist im zweiten Chart Lexikon durch das 38,2%-Level definiert. Ich denke, diese Zahlen sprechen für sich.

Fibonacci Retracements: Alles Zufall?

Die Beschäftigung mit den Fibonacci-Retracements macht meiner Meinung nach wirklich Sinn, wobei ich die Level bei 23,6%, 38,2% und 61,8% regelmäßig beachte, das 50,0% Retracement eher selten. Möglicherweise handelt es sich bei diesen Linien auch nur um eine besonders deutliche Form der selbsterfüllenden Prophezeiung, wenn Aktien Lexikon oder Indices ausgerechnet an diesen Marken »zufällig« Unterstützung und Widerstand finden (»support-level« und »resistance-level«). Wenn es aber gerade an solchen Marken zu Top- und Bodenbildungen kommt (»fibonacci-reversal«), sollte man die Linien nicht ganz außer acht lassen. Beim Trading zählt jeder Wissens-Vorsprung und da gehören wichtige Kursmarken (»price-level«) sicherlich dazu.


Kritik an den Fibonacci-Retracements

Wie so oft in der technischen Analyse gibt es natürlich auch Zweifel an dieser Analysemethode. In einer wissenschaftlichen Untersuchung durch Rene Kempen: »Fibonacci are Human (made)« (siehe Link am Ende des Artikels) wird dargelegt, dass sich kein nutzbarer Zusammenhang zwischen einem einzelnen Retracement und Trendbewegungen ergibt. Es wird also vermutlich nicht möglich sein, ein Handelssystem auf der Signalwirkung eines Retracement aufzubauen. Nichtsdestotrotz behaupte ich, gegen jede wissenschaftliche Untersuchung, dass die »fibonacci-price-level« tatsächlich Hinweise auf bestehende support- und resistance-lines geben.

FAQ

Frage: Frage: Wer entdeckte die Fibonacci-Zahlen?

Antwort: Antwort: Leonardo Fibonacci de Pisa war ein mathematisches Genie des 13. Jahrhunderts. Mit seinem Werk »Liber Abbaci« (»Das Buch der Kalkulation«) soll er maßgeblich an der Einführung des bis dahin unbekannten Dezimalsystems in Europa beteiligt gewesen sein. Dieses indische Zahlensystem (dessen Zahlen von den Arabern kopiert wurden und die deshalb fälschlicherweise als »arabische Zahlen« bezeichnet werden) löste das für die höhere Mathematik völlig ungeeignete römischen Zahlensystem ab und ermöglichte einen enormen Schritt nach vorne in der gesamten Entwicklung Europas. Fibonacci de Pisa beschreibt die Fibonacci-Zahlen zwar nicht als Erster - die Zahlenreihe war bereits in Indien und in der Antike beschrieben worden - er machte sie aber in seinem Buch der breiten Öffentlichkeit bekannt.

FAQ

Frage: Frage: Wie errechnen sich die Fibonacci-Zahlen?

Antwort: Antwort: Die jeweils nächste Fibonacci-Zahl entsteht, wenn man die beiden vorherigen Zahlen addiert, d.h. 1 + 1 = 2; 2 + 1 = 3; 2 + 3 = 5; 3 + 5 = 8 usw.
Die Fibonacci-Reihe beginnt also mit 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89 ...
Je weiter sich die Zahlenreihe fortsetzt, desto mehr nähert sich der Quotient aus zwei benachbarten Zahlen dem Ergebnis 0,618 an, also ist zum Beispiel 55 / 89 ca. 0,6179. Umgekehrt ergibt sich aus 89 / 55 die Zahl 1,618.
Diese Verhältnisse lassen sich auch in der Natur sehr häufig beobachten, z.B. im so genannten »Goldenen-Schnitt« oder bei natürlichen Wachstumsprozessen.

Weiterführende Links:

Studie zu Fibonacci-Retracements: Fibonaccis are Human (made)


Älteste bekannte Version der Seite: 19.06.2012
Letzte Überarbeitung der Seite: 15.11.2017




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Autor: Claus A. Lampert (wenn nicht anders angegeben)
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